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Event Storming ist weit mehr als nur eine Moderationsmethode – es ist ein hilfreiches Werkzeug, um gemeinsames Verständnis in Teams zu schaffen. In Dieser Episode erklären Tom Asel, Daniel Sack und Eberhard Wolff, warum diese kollaborative Modellierungstechnik in der Praxis so gut funktioniert und wie Organisationen sie erfolgreich einsetzen können.

Was ist Event Storming?

Das Konzept ist überraschend einfach: Domänen-Expert:innen, Entwickler:innen und weitere Stakeholder kommen zusammen und notieren auf orangenen Haftnotizen wichtige Geschäftsereignisse in der Vergangenheitsform. Ein Event wie „Produkt gefunden” beschreibt etwas, das passiert ist. Der Prozess selbst und die Diskussion sind dabei oft wertvoller als das Endprodukt.

Der kreative Prozess

Die erste Phase nennt sich „Chaotic Exploration” – bewusst chaotisch. Alle schreiben parallel Events auf und kleben sie an die Wand. Duplikate und Inkonsistenzen werden dabei akzeptiert.

Im nächsten Schritt wird Ordnung geschaffen. Es wird sichergestellt, dass die Events in der richtigen chronologischen Reihenfolge auf dem Board stehen und Duplikate werden entfernt. Das löst genau die Diskussionen aus, die zählen. Wenn einer „Produkt gewählt” schreibt und ein anderer „Produkt ausgewählt”, beginnt eine fruchtbare Debatte über gemeinsame Begrifflichkeiten. Diese Konversation führt zu echter Wissensvermittlung – unabhängig davon, ob die Notizen später noch verwendet werden.

Struktur durch Pivotal Events

„Pivotal Events” markieren Wendepunkte, wo sich die Geschäftswelt fundamental ändert. Mit „Bestellung eingegangen” beispielsweise existiert die Bestellung nach „Bestellung akzeptiert” – vorher nicht. Außerdem werden die Events in Swimlanes (parallele Prozessabläufe) aufgeteilt. Pivotal Events und Swimlanes begrenzen unabhängige Bereiche. Genau diese Bereiche sind interessant für die Softwarearchitektur, da sie auf modulare Systemstrukturen hindeuten.

Warum es funktioniert

Event Storming adressiert ein fundamentales Problem in Softwareprojekten: unvollständiges gegenseitiges Verständnis. Statt in endlosen Meetings Protokolle zu verfassen, schaffen Organisationen einen visualisierten, gemeinsamen Erkundungsraum. Die Methode ist niedrigschwellig – jeder kann Haftnotizen schreiben, ohne spezielle Kenntnisse über formale Notationen wie zum Beispiel über UML zu benötigen.

Ein oft übersehener Nebeneffekt: Menschen kommen sich näher. Sie entwickeln ein besseres Verständnis füreinander, nicht nur für die Fachlichkeit. Diese menschliche Komponente wirkt lange nach der Session nach und verbessert zukünftige Zusammenarbeit.

Praktische Herausforderungen

Hybrid-Setups mit einigen Teilnehmer:innen in einem Raum und anderen virtuell sollte man vermeiden – die Asymmetrie in der Kommunikation führt zu wenig effektiven Meetings Remote-Varianten mit Miro-Boards funktionieren, erfordern aber andere Facilitation.

Die größte Hürde ist meist nicht die Methode selbst, sondern die Moderation: Unterschiedliche Flughöhen von Teilnehmern zusammenbringen, ohne sie zu vereinheitlichen, sondern als bereichernde Perspektiven zu nutzen.

Getting Started

Für Anfänger empfiehlt sich: Erst im kleinen Kreis üben. Das Buch von Alberto Brandolini bleibt die Referenz, doch echte Erfahrung entsteht durch Machen. Trainings helfen dabei, nicht nur die Mechanik zu verstehen, sondern auch die organisatorischen Erfolgsfaktoren zu meistern.

Die größte Investition? Zwei Tage mit den richtigen Menschen zusammenzubringen – im Vergleich zu mehrmonatigen Projekten eine vernachlässigbare Summe, mit potenziell großem Return on Investment.

Fazit

Event Storming zeigt: Architektur entsteht nicht im Stillen, sondern im intensiven Austausch. Die Methode verbindet das Fachliche mit dem Menschlichen und schafft dabei Klarheit über komplexe Geschäftsprozesse. Wer Softwareteams nicht nur effizienter, sondern auch zufriedener machen möchte, sollte diese kollaborative Modellierungstechnik ernsthaft in Betracht ziehen.