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Die großen Cloud-Anbieter AWS, Azure und Google Cloud dominieren den Markt mit einem Marktanteil von 63 Prozent. Doch es gibt Alternativen, dieinteressant werden – insbesondere aus politischen Gründen und zur Kosteneinsparung. Das zeigt das Beispiel der dänischen Buchungsplattform Fejo, die von AWS zu Hetzner Cloud migriert.

Die Motivation fĂĽr den Wechsel

Die Geschäftsführung von Fejo entschied sich aus politischen Gründen gegen US-amerikanische Cloud-Infrastruktur. Angesichts geopolitischer Spannungen – wie den Diskussionen um Grönland – wollte das Unternehmen seine Daten nicht länger bei US-Anbietern hosten. Hinzu kam ein erhebliches Einsparpotenzial: Durch die Migration zu Hetzner Cloud senkte Fejo die Infrastrukturkosten um 80 Prozent. Ein beeindruckender Beweis, dass Kosteneinsparung ein valides Geschäftsoptimierungsziel ist.

Simple Cloud statt Hyperscaler

Der Unterschied zwischen Hyperscalern und Simple-Cloud-Anbietern ist entscheidend. AWS bietet über 200 Services an, während Simple-Cloud-Anbieter wie Hetzner auf ein fokussiertes Portfolio von maximal 10 Services setzen. Das klingt nach einem Nachteil, ist aber strategisch ein Vorteil: Mit weniger Services sinkt der sogenannte Lock-in-Effekt. Ein Wechsel zu einem konkurrierenden Anbieter wird deutlich einfacher, da das Ökosystem überschaubarer bleibt.

Zu den Kernservices gehören virtuelle Server, Load Balancer, Software Defined Networking und Block Storage. Infrastructure as Code mit Terraform ermöglicht es, komplette Umgebungen reproduzierbar zu erstellen und zu verwalten.

Der größte Herausforderung: Datenbanken

Der Hauptnachteil von Hetzner Cloud liegt im fehlenden Datenbank-as-a-Service-Angebot. Fejo musste Postgres selbst betreiben, einschließlich Backup-Strategien, Recovery und Konfigurationsoptimierung. Dafür investierte das Team etwa drei Wochen – ein erheblicher Aufwand, der bei AWS wegfallen würde.

Allerdings bewies Rails 8 mit seinem neuen Job-Queue-Backend eine pragmatische Lösung: Postgres als Queue-System zu nutzen, funktionierte auch bei hohem Job-Aufkommen problemlos.

Pragmatische Architekturentscheidungen

Fejo verzichtete auf Kubernetes und Autoskalierung – nicht weil diese technisch unmöglich wären, sondern weil die Anforderungen fehlten. Die Anwendung läuft als Ruby-on-Rails-Monolith mit Docker Swarm-Mode für Zero-Downtime-Deployments. Mit nur fünf Mitarbeitern ist der Fokus auf wenige, beherrschbare Technologien essentiell.

Auch bei der Migration selbst setzte man auf Pragmatismus: Statt Zero-Downtime-Migration mit extremem Engineering-Aufwand akzeptierte man eine 30-minütige Downtime zu einem optimalen Zeitpunkt – eine Entscheidung, die weniger kostet als die technische Komplexität.

Fazit

Der Hyperscaler-Exit zu Simple-Cloud-Anbietern ist kein Schritt zurück, sondern eine bewusste Architekturentscheidung. Sie ermöglicht Kosteneinsparungen, reduziert Abhängigkeiten und bewahrt Flexibilität. Die richtige Wahl hängt von den spezifischen Anforderungen des Unternehmens ab. Für etablierte Geschäfte mit klaren Technologie-Stacks und stabilen Anforderungen kann die Migration zu kleineren Anbietern erhebliche Vorteile bringen – ohne dabei die Sicherheit und Zuverlässigkeit zu gefährden.