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Folge 323 - Digitale Souveränität im Härtetest: Greenpeaces Weg zu globaler Resilienz

Hallo Karen, willkommen bei Software-Architektur im Stream.

Wir sind heute hier beide bei den TechRiders und du hast heute einen Talk gegeben.

Deswegen dachte ich, ich lade dich mal ein.

Magst du dich erst mal ganz kurz vorstellen, wer du bist und was du hier heute erzählt hast?

Ja, ich bin Karen Paul, ich bin die IT-Leitung von Greenpeace Deutschland und global bei Greenpeace auch im Technology Council, wo wir sozusagen unsere internationale IT-Strategie auch abstimmen und habe heute darüber geredet, wie unsere Organisation mit digitaler Souveränität umgeht.

Cool.

Was ja aktuell so ein bisschen passiert ist, die NGOs, die merken jetzt, dass der Druck so ein bisschen steigt.

Das letzte Beispiel ist, glaube ich, HateAid gewesen, die ja von Sanktionen betroffen waren.

Ist das ein Bedrohungsszenario, was ihr auch diskutiert bei euch oder wie ist das für euch?

Definitiv, aber auch vorher schon.

Also wir hatten schon eigentlich seit einigen Jahren immer das Thema, wie positionieren wir uns zu Big Tech insgesamt, auch aus Monopol-Themen.

Dann wurde es ja verschärft, als schon die Plattformen ihre Diversityrichtlinien Fallen gelassen haben, ihre Fake News, man sah das ja so ein bisschen kommen, haben dann auch Bildungsmaterial dazu ausgegeben, also so ein Rapid-Response-Material zu Fake News und Klimakrise.

Und so traurig das ist, hat das dann leider nicht überrascht.

Und insofern die konkreten Planungen, was passiert, wenn eben eine US-Regierung sagt, für Greenpeace macht bitte kein US-Unternehmen IT, die Szenarien sind schon jetzt länger in der Schublade.

Aber das heißt, aktuell seid ihr noch von keinen Sanktionen bedroht, ihr habt euch nur schon mal vorbereitet.

Genau, wir haben uns vorbereitet, man merkt, aber das ist glaube ich nicht jetzt spezifisch auf Greenpeace, aber man merkt bei Social Media halt schon, je nachdem, welche Inhalte man postet, werden diese Inhalte nicht mehr so verbreitet, wenn sie gerade nicht auf Kurs sind mit den gegenwärtigen Big Tech-Richtungen.

Ja, das kann ich mir vorstellen.

Lass uns das mal ganz kurz einmal einschieben.

Was bedeutet das denn für euch?

Habt ihr dann eure Social-Media-Strategie auch wechseln müssen, oder wie funktioniert das?

Mehr Diversifizierung.

Also natürlich versuchen wir, andere Social-Media-Plattformen zu unterstützen.

Natürlich müssen wir gleichzeitig viele Menschen erreichen, das ist auch schon seit einigen Jahren Mastodon zum Beispiel.

Aber da ist natürlich nicht der gleiche Traffic drauf, aber es ist natürlich wichtig, trotzdem das Standbein zu haben.

Oder auch Bluesky sind wir relativ früh reingegangen, als das hochkam.

Also wir gucken immer und screenen und probieren dann aus, gehen vielleicht auch mal auf eine Gaming-Plattform.

Aber vor allem gehen wir halt verstärkt auf unsere eigenen Kanäle, Newsletter, weil wir dann die Leute tatsächlich direkt ansprechen können.

Kann ich mir gut vorstellen.

Wie ist das denn für euch?

Also ich stelle mir vor, ihr habt ja wahrscheinlich auch irgendwie eine Office-Suite und E-Mail-Provider und so weiter.

Habt ihr da schon euch entfernt von den amerikanischen Anbietern oder wart ihr gar nicht dort bei diesen Kern-Kommunikations-Plattformen?

Es ist teils, teils.

Ich habe eben schon gesagt, wir haben auch eine globale IT und die stellt natürlich für alle Büros IT bereit.

Und da haben wir durchaus Big Tech noch dabei.

Aber es gibt eben Überlegungen und es gibt auch schon Backup-Szenarien, wie wir in so einem Fall sofort switchen können.

Aber natürlich wird das andere etwas geordneter angegangen.

Man macht ja nicht so ein dramatisches IT-Projekt, wenn man sich braucht.

Die Sachen laufen und wir arbeiten immer mit Piloten.

Also das deutsche Büro macht gerade einen Piloten.

Wenn der gut läuft, jetzt im Sommer geht der live, dann können sich das die anderen Länder angucken sozusagen.

Und dann kann man drauf gehen und das machen wir in verschiedenen Stellen auch.

Also nicht nur zu Collaboration-Dingen, sondern auch zu Betriebssystemen oder zu KI.

Also wir haben diverse Piloten laufen, die wir dann hoffentlich hochskalieren, wenn sie gut laufen.

Okay, das heißt also jedes Land entscheidet für sich selbst die IT-Strategie und es gibt keine globale Richtlinien?

Nein, es gibt eine globale.

Das habe ich eben ja gesagt.

So ein bisschen wie bei der UNO kann man sich das vorstellen.

Da sitzen Leute aus verschiedenen Ländern und sprechen zusammen, wo es hingehen soll.

Bzw. es gab auch einen großen partizipativen Prozess, wo sozusagen alle eigentlich weltweit reingearbeitet haben, was wichtig ist.

Und neben kulturellen und anderen IT-Themen sind dort auch Responsibility.

Also wie ist der Umgang mit Big Tech, aber auch überhaupt mit Lieferanten, die vielleicht nicht zwingend demokratische oder auch umweltfreundliche Werte haben.

Und das wird abgestimmt.

Aber dann haben die Büros natürlich verschiedene Geschwindigkeiten.

Ein Büro sagt zum Beispiel, das deutsche Büro hat gesagt, wir machen jetzt sofort mal ein Projekt und gehen mal auf eine Alternativplattform komplett.

Andere Büros haben vielleicht gerade andere Prioritäten.

Das hängt ja auch davon ab, was da gerade vor Ort für Kampagnen laufen.

Und insofern geht jedes Büro an den Stellen, wo sowieso was läuft vorweg und dann wird das aber ausgetauscht.

A. weiß man voneinander und B. wird das auch dann vorgetragen intern.

Die Learnings werden ausgetauscht und dann wird diskutiert, ob man daraus eine globale Anwendung machen kann.

Und habt ihr dabei jetzt auch so einen Katalog an Entscheidungskriterien erarbeitet oder ist das etwas, wo ihr euch die Anbieter angeschaut habt und quasi ad hoc verglichen habt?

Wir haben ja immer schon einen relativ strikten Lieferantenfragebogen gehabt.

Da können die Lieferanten ein Lied von singen.

Der ist auch öffentlich unter lieferantenfragebogen.greenpeace.de kann man den einsehen.

Und eigentlich ist da alles drin, aber natürlich nicht immer so detailliert.

Das frage ich natürlich nach.

Und wir werden das jetzt natürlich mit KI nochmal ein bisschen twisten und nochmal ergänzen, aber eigentlich die Grundwerte sind abgebildet.

Okay, das heißt also, es hat sich für euch an den Werten nichts geändert, sondern ihr müsst jetzt reagieren auf die sich verändernde Landschaft.

Ist das richtig?

Genau, oder auch natürlich, weil Lieferanten sich verändert haben.

Also gerade Big Tech, also Google war ja mal relativ Vorreiter, was Klimaschutz anging, hatte auch mal ein Motto, was mal eigentlich positiver war.

Und das muss man halt auch mal sehen.

Welche Lieferanten hat man mal ausgewählt aus bestimmten Gründen.

Und dann vielleicht zehn Jahre später stimmt das halt nicht mehr oder fünf Jahre.

Und dann muss man reagieren.

Ja, ich meine, Microsoft hat ja auch sehr hehre Ziele gehabt.

Ja, die haben sie alle in die Tonne geschmissen.

Genau, okay, das verstehe ich.

Und wie ist das dann für euch?

Also wenn ihr jetzt diesen Piloten macht, hast du ein gutes Gefühl?

Also hast du das Gefühl, dass das funktioniert für euch oder gibt es Blocker?

Ja, ne, also sonst würde ich das Projekt nicht machen.

Ich war eigentlich sogar positiv überrascht.

Als wir in die Softwareauswahl gegangen sind, habe ich nicht damit gerechnet.

Also wir haben so ein bisschen schon versucht, alle User einzustimmen.

Es kann sein, dass es ein paar Abstriche gibt, was man ja auch immer so so denkt.

Im Moment sehe ich das nicht.

Ich muss ehrlich sagen, ich war positiv überrascht, aber wir sind noch nicht live.

Frag mich im Herbst nochmal.

Ja, mache ich.

Aber ich glaube schon, dass es klappen kann.

Sicher nicht für sämtliche Anwendungen.

Es gibt andere, wo es leichter ist, für andere nicht.

Aber es tut sich definitiv was.

Und wenn wir jetzt, also Unternehmen gucken sich ja gerade nach Lösungen um.

Kann man dann bei euch vielleicht auch sehen, also gibt ihr ein bisschen frei, was ihr evaluiert habt oder ist das eher was, was ihr intern als Listen habt?

Welche Anbieter ihr euch angeschaut habt?

Also die Listen geben wir nicht frei.

Aber was wir schon versuchen, ist von jedem dieser Projekte so eine Webseitenartikel zu machen und zu veröffentlichen.

Das haben wir mit unserem Refurbished Hardware Konzept vor Jahren schon gemacht.

Das haben wir mit unserem digitalen Fußabdruck, also wie messe ich das im Rahmen einer Klimabilanz, haben wir das gemacht und wir werden das auch mit dem Projekt machen, wenn es denn live ist und auch mit unseren KI-Plattformen werden wir das machen.

Cool.

Das heißt also bei euch ist der Fokus aktuell auf Kommunikation und KI, aber habt ihr auch Server, die ihr betreibt mit, die habt ihr Webseiten und so weiter?

Wir sind natürlich auf Proxmox gewechselt, schon relativ bald, nachdem diese unsäglichen Preissteigerungen kamen.

Und wir selber betreiben jetzt nicht zwingend so viel.

Wir arbeiten schon viel mit Lieferanten an verschiedenen Stellen und dann mit den besagten Auswahlkriterien.

Aber zum Beispiel für die Webseite, darunter ist z.B. Drupal, das ist Open Source, und alles, was wir da zusätzlich entwickeln, weil wir vielleicht irgendwelche Zahlungsmittel anbinden oder so, wie jetzt auch Vero ist auch ein Beispiel, zu sagen, kann man auch unterstützen.

Das geben wir immer in die Community zurück.

Das heißt, die Sachen fließen in Open Source zurück.

Und deswegen denke ich auch, je mehr Unternehmen oder Organisationen das machen, desto mehr wachsen diese Alternativen auch.

Drupal im Webseiten-Bereich sind ja schon lange etablierte, gute Open Source-Pakete, aber gerade in der Collaboration Suite, ich glaube, das kann da genauso laufen und tut es, glaube ich, auch für die nächsten Jahre.

Also gerade so Firmen wie Nextcloud und da kommt ja jetzt doch mehr Contributions.

Merkt man ja auch, dass die Geschwindigkeit langsam zunimmt.

Spielt denn für euch auch in so einer Auswahl so etwas wie Open Source eine Rolle oder sind das andere Kriterien, die wichtiger sind?

Es wird erstmal wohlwollend zur Kenntnis genommen und wenn es gleichwertig ist, dann sicherlich auch präferiert.

Aber es ist nicht so, dass wir sagen, es muss unbedingt Open Source sein.

Es kommt auf die Werte an.

Es gibt auch tolle Softwarefirmen, klassischer Art, die sehr gute Software machen und auch sehr schöne Werte haben.

Es muss nicht unbedingt Open Source sein.

Es gibt auch, um ehrlich zu sein, grottige Open Source-Projekte, wo kein Support mehr ist, wo ich manchmal denke, warum stellen Open Source-Leute nicht standardmäßig mal einen ordentlichen Graphical User Interface Designer ein.

Aber natürlich gibt es auch tolle Open Source.

Ich finde, man kann nicht einfach sagen, Open Source ist immer toll oder immer schlecht.

Das gucken wir uns genauso an, wie wir uns andere Sachen auch angucken.

Aber wenn die gleichwertig sind, dann nehmen wir das Open Source.

Das ist auch meine Erfahrung.

Klar, es gibt viele Projekte, wo man denkt, UX wäre schon wirklich schön gewesen.

Zum Abschluss, wenn wir jetzt mit den Unternehmen sprechen.

Viele sind jetzt am Überlegen, sind sehr fest gerade in Microsoft 365 drin.

Was würdest du denen mitgeben?

Glaubst du, dass es Alternativen gibt oder sollen sie noch ein bisschen abwarten?

Das klang ja gerade sehr positiv.

Ich gebe ihnen auch schon viel mit.

Deswegen bin ich auch auf diesen Konferenzen, um zu erzählen, was wir machen und natürlich auch in Gesprächen durchaus Anregungen zu geben und da auch gerne mal tiefere Einblicke.

Es gab schon diverse Beispiele, wo das auch passiert ist.

Gerade im KI-Bereich gibt es Alternativen.

Da muss man nicht einfach Co-Pilot einschalten.

Da gibt es auch gute europäische Alternativen und sogar gute deutsche Startups.

Da würde ich schon ein bisschen mehr Zeit investieren, das jetzt gleich vernünftig aufzusetzen und dann gleich digital souverän.

Super, vielen Dank für deine Zeit.

Dann wünsche ich dir noch viel Spaß bei den TechRiders und wir hören uns wieder.