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Digitale Souveränität im Härtetest: Wie Greenpeace globale Resilienz aufbaut

Greenpeace Deutschland steht wie viele NGOs unter zunehmendem Druck. Die jüngsten Sanktionen gegen HateAid zeigen: Digitale Souveränität ist keine theoretische Diskussion mehr, sondern eine existenzielle Notwendigkeit. Karin Paul, IT-Leitung von Greenpeace Deutschland und Mitglied des globalen Technology Councils, erklärt im Podcast, wie ihre Organisation diese Herausforderung strategisch angeht.

Von Big Tech zur Diversifizierung

Die Problematik entstand nicht über Nacht. Bereits seit Jahren beschäftigt sich Greenpeace mit der Abhängigkeit von US-amerikanischen Technologiekonzernen. Doch die Situation verschärfte sich, als große Plattformen ihre Inhaltsrichtlinien änderten. Inhalte, die nicht der aktuellen Ausrichtung entsprechen, werden systematisch weniger verbreitet – ein Problem, das NGOs mit kritischen Kampagnen besonders trifft.

Greenpeace reagiert mit konsequenter Diversifizierung. Social-Media-Präsenz beschränkt sich nicht mehr auf Facebook oder Instagram, sondern umfasst alternative Plattformen wie Mastodon und Bluesky. Noch wichtiger: Der Fokus verlagert sich auf eigene Kanäle. Newsletter ermöglichen direkte Kommunikation mit Unterstützern – ohne Filter durch Algorithmen.

Strategische Piloten statt radikalem Umbruch

Eine globale IT-Strategie ohne Handlungsfähigkeit nützt nichts. Deshalb setzt Greenpeace auf pragmatische Piloten. Das deutsche Büro testet derzeit Alternativen zu etablierten Collaboration-Suites. Andere Länderverbände folgen mit unterschiedlichem Tempo – abhängig von lokalen Prioritäten und Kampagnen.

Diese verteilte Vorgehensweise hat Vorteile: Learnings werden ausgetauscht, Best Practices geteilt und sukzessive hochskaliert. Karen Paul betont, dass die Grundwerte unverändert geblieben sind, aber die Lieferanten und die Situation haben sich verändert.

Standards statt Improvisation

Bereits seit Jahren nutzt Greenpeace einen öffentlich zugänglichen Lieferantenfragebogen (lieferantenfragebogen.greenpeace.de). Er dokumentiert, welche Kriterien für Anbieter relevant sind: Umweltfreundlichkeit, demokratische Werte, Verantwortung gegenüber Stakeholdern. Doch Lieferanten ändern sich – Google und Microsoft zeigen, dass frühere Vorreiter ihre Werte revidieren.

Open Source: Mittel, nicht Zweck

Wenn Open-Source-Lösungen gleichwertig sind, werden sie bevorzugt. Bei Webseiten funktioniert das über Drupal hervorragend. Bei Collaboration-Suites zeigen sich zunehmend Fortschritte.

Gleichzeitig warnt Paul: Manche Open-Source-Projekte haben vernachlässigte UX oder fehlende Unterstützung. Die Auswahl muss technisch sauber erfolgen, nicht dogmatisch.

Was Unternehmen lernen können

Für Organisationen, die fest in Microsoft 365 eingebunden sind, gibt Paul klare Empfehlungen: Besonders im KI-Bereich sollte man nicht blind Copilot einschalten. Europäische und deutsche Alternativen existieren und sind produktionsreif.

Fazit

Greenpeace zeigt, dass digitale Souveränität machbar ist – ohne radikale Brüche, mit strategischem Denken und schrittweiser Umsetzung. Die Botschaft an andere Organisationen ist klar: Abhängigkeiten analysieren, Standards setzen und mutig pilotieren. Die Zukunft gehört nicht denjenigen, die am schnellsten Big Tech adoptieren, sondern denen, die ihre Handlungsfähigkeit bewahren.